Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt
Mittwoch, 18. Juli 2012
Zunahme von Gewalt und Verelendung
Nach nunmehr einem Jahr andauernder Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Regime-Gegnern wächst die Verelendung der Bevölkerung in Syrien. Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, versorgt in Syrien und den Nachbarstaaten Jordanien und Libanon rund 15.000 Opfer der Unruhen mit humanitärer Hilfe.
Seit März 2011 protestiert die Opposition in Syrien öffentlich gegen die bestehende Regierung von Präsident Assad. Ähnlich wie in Ägypten, Tunesien und Libyen fordern die Demonstranten demokratische Strukturen und den Rücktritt der Regierung. Das Regime reagiert mit militärischer Gewalt auf die Demokratiebewegung. Unzählige Demonstranten aus allen Bevölkerungsschichten wurden verhaftet; man schätzt die Zahl der Toten inzwischen auf mehr als 8.000. Jegliche Unterstützung verletzter Demonstranten wird als Staatsverrat verfolgt - und so ist die Versorgung der zahlreichen Schuss- und Schlagverletzungen der Demonstranten in den staatlichen Krankenhäusern verboten.
Auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges machen sich zunehmend bemerkbar. Immer mehr Syrer werden zu indirekten Opfern der Unruhen. So haben viele Familienväter als Folge des Konfliktes ihre Arbeit verloren und sind deshalb für ihre verarmten Familien auf Nahrungsmittelhilfe und medizinische Versorgung angewiesen.
Caritas international unterstützt Bedürftige mit Nahrungsmitteln, Heizgeräten, Babykleidung, Medikamenten und ärztlicher Hilfe. Zudem leistet Caritas unter anderem in Aleppo über das Bistum und die lokale Caritas humanitäre Hilfe für verarmte Familien sowie alte und kranke Menschen.
Hilfe in den Nachbarländern
Bislang wurden 230.000 Menschen durch die seit einem Jahr andauernden Kämpfen aus ihrer Heimat vertrieben; 30.000 von ihnen haben Zuflucht in Jordanien, der Türkei und im Libanon gesucht. Hier arbeitet Caritas international seit vielen Jahren mit dem lokalen Partner "Caritas Lebanon Migrant Center" zusammen, der sich um die Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischer Hilfe kümmert.
Najla Chahda , die Leiterin des Migrationszentrums im Libanon berichtet, dass die meisten der Flüchtlinge in Gastfamilien untergekommen sind, die allerdings meistens selbst zur ärmeren Bevölkerung gehören. Die Mitarbeitenden der Caritas Libanon unterstützen tausende dieser Familien mit Hilfsgütern wie Decken, Kleidung, Matratzen und Hygienepaketen.
In Jordanien zählte das UN- Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereits Anfang Dezember 2011 3.000 bis 5.000 Flüchtlinge. Auch hier konnten viele der Flüchtlinge bei Verwandten und Freunden Unterkunft finden, andere dagegen sind von Hilfe abhängig. Ein großer Teil der Flüchtlinge ist traumatisiert; viele wurden Opfer der Gewalttaten oder haben Familienangehörige verloren. Nur wenigen Familien ist es gelungen, mehr als die „Kleidung auf dem Leib“ zu retten.
Die Caritas Jordanien verteilt über einen Zeitraum von drei Monaten Nahrungsmittelpakete, Decken und Kerosinöfen an etwa 350 besonders bedürftige syrische Flüchtlingsfamilien. Gut 5.000 Menschen, vorwiegend Flüchtlinge und Vertriebene, konnten bislang mit den Hilfen der Caritas erreicht werden.
In Syrien leisten lokale Caritas-Partner seit Monaten medizinische Hilfe für Gewaltopfer der Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen.
Eine schnelle Ausweitung der humanitären Hilfe auf hilfsbedürftige alte, kranke und behinderte Menschen in Syrien selbst ist dringend erforderlich, aufgrund der anhaltenden Gewalt jedoch derzeit extrem schwierig.
Nicole Stroth im Gespräch mit Christoph Klitsch-Ott, Caritas international über die humanitäre Lage in Syrien:
Caritas international ruft zu Spenden für die Flüchtlinge und Gewaltopfer auf.
Bitte spenden Sie Online oder:
Kto-Nr. 202
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
BLZ 660 205 00
Stichwort: Nothilfe Syrien